
Krawatte
KROATIEN – DIE HEIMAT DER KRAWATTE
Viele Ereignisse der Menschheitsgeschichte geraten mit der Zeit in Vergessenheit, andere hinterlassen unauslöschliche Spuren, die die ganze Welt sehen kann. Vor mehr als 350 Jahren lösten die Kroaten ein solches folgenreiches Ereignis aus. Obwohl es im 17. Jahrhundert in einer kleinen Region an der Adria begann, sind seine Folgen bis heute weltweit sichtbar: 600 Millionen Menschen tragen heute das allgegenwärtige Symbol Kroatiens um den Hals, nah am Herzen.
Wussten Sie, dass Kroatien das Mutterland der Krawatte ist?
In seinem Buch „La Grande Histoire de la Cravate“ (Flammarion, Paris, 1994) erzählt François Chaille, wie dieses Kleidungsstück aufkam und in Mode kam.
„... Um das Jahr 1635 kamen rund sechstausend Soldaten und Ritter nach Paris, um König Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu zu unterstützen. Unter ihnen war eine große Zahl kroatischer Söldner, angeführt von einem Ban, dem kroatischen Vizekönig.
Die traditionelle Tracht dieser Kroaten erregte Aufsehen wegen der ungewöhnlichen, malerischen Halstücher, die sie auf besondere Weise um den Hals gebunden trugen. Die Tücher waren aus verschiedenen Stoffen – von grobem Material für einfache Soldaten bis zu feiner Baumwolle und Seide für Offiziere. Dieser elegante „kroatische Stil“ begeisterte die Franzosen sofort; sie waren entzückt von dem neuen Kleidungsstück, das in Europa bis dahin unbekannt war.
Für die galanten französischen Offiziere im Dreißigjährigen Krieg lag der Vorteil des kroatischen Halstuchs in seiner beneidenswerten Praktikabilität. Im Gegensatz zum Spitzenkragen, der weiß gehalten und sorgfältig gestärkt werden musste, wurde das Tuch einfach locker um den Hals gebunden und brauchte keine weitere Pflege. Ebenso elegant wie die steifen, hohen Kragen, waren die neuen Tücher weniger unbequem, leichter zu tragen und blieben auch unter dem dichten, langen Haar der Soldaten sichtbar.
Um 1650, unter der Herrschaft Ludwigs XIV., setzte sich das kroatische Halstuch in Frankreich durch, vor allem am Hof, wo militärischer Schmuck sehr bewundert wurde. Der modische Ausdruck „à la croate“ entwickelte sich bald zu einem neuen französischen Wort, das es bis heute gibt: la cravate. Diese Neuerung stand für den Gipfel von Kultur und Eleganz. Karl II. brachte das neue Modewort bei seiner Rückkehr aus dem Exil mit nach England. In den folgenden zehn Jahren verbreitete sich die Modeneuheit in ganz Europa und in den Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent ...“
Seit dem 17. Jahrhundert gibt es in vielen Sprachen Ableitungen des Wortes „croata“ (z. B. im Englischen, Deutschen, Französischen, Portugiesischen und Italienischen) mit der Bedeutung Krawatte. Kroatien ist also das Mutterland der Krawatte – so wie Frankreich das der Haute Couture, Brasilien das des Kaffees, die Schweiz die des Käses und der Uhren und Portugal das des Portweins.
Wer eine echte kroatische Krawatte sucht: Alle Wege führen nach Zagreb.
